oro y furo -  Bekenntnisse

 

Eine Installative Performance im öffentlichen Raum zu Sich Zeigen / Bergen

FEEDBACKS

 

"Ich danke euch, es hat total „gfägt“. Tolle Produktion! Gratulation!"
(Carol Rosa, Künstlerische Leitung Kunst- und Kulturhaus visavis, Bern)

 

"Es war ein ganz spezieller Tag: danke Euch allen !"

(Dr. Marco S. Stoffel, LL.M., MAE, Rechtsanwalt und Kurator "Parcours Humain", Luzern)

 

 


Bilder von der Premiere am 31.3.2017 in Winterthur | Fotos: Regula Lustenberger


 Wir spielen im öffentlichen Raum, in Zwischenräumen, an Un-Orten - in Unter- und auf Überführungen. Was uns interessiert, sind Transit-Orte und Übergänge.

 

Die Performances sind für Passanten frei erlebbar oder in geführten Rundgängen.
Je nach Auftrittsort (Festival) und Anzahl Figuren dauern die Rundgänge zwischen 45 und 90 Minuten.
Die Rundgänge begrinnen pünktlich am Besammlungsort, da wir mit effektiven Zeitplänen arbeiten.

 

Premiere

Freitag, 31. März 2017, 18:00 Uhr   Winterthur | Besammlung: Kesselhaus
Samstag, 1. April 2017, 16:00 Uhr   Winterthur | Besammlung: Kesselhaus

Performance-Rundgänge, je ca. 95 Min. in den Gassen von Winterthur


Weitere Performances

6. Mai | 11.30 Uhr | Winterthur, Archhöfeplatz,
im Rahmen des Internationalen Tag des Tanzes und des Tanzfestes (Miniversion)


19. Mai | 18.30 Uhr | Bern, Besammlung: Kunst- und Kulturhaus Visavis, Gerechtigkeitsgasse 44,
Rundgang ca. 90 Min. mit anschliessendem Künstlergespräch


20. Mai | 14.00 Uhr | Basel, Dreiländerbrücke,
im Rahmen des Festivals Parcours Humain


2. Juni | 17.00 + 21.00 Uhr | Basel, Besammlung: Münsterplatz Begegnungszone,
Rundgang ca. 60 Min. im Rahmen des Festivals Nacht des Glaubens Spot


10. Juni | 16.00 Uhr | St. Gallen, Besammlung: Bahnhofshalle,
Rundgang ca. 90 Min.


27. August | 18.00 Uhr | Zürich, Stadionbrache,
im Rahmen des Festivals Living Room


2. September | 19.00 Uhr | Zürich, Stadionbrache,
im Rahmen des Festivals Living Room


23. September | 18.00 Uhr | Winterthur, Museum Oskar Reinhart «am Römerholz»,
im Rahmen der Kulturnacht («Das Kleid» und Degas)


17. November | 18.00 Uhr | Winterthur, Theater am Gleis,
Rundgang ca. 60 Min. im Rahmen des Tanzfestivals


more to be announced!


PerformerInnen
Barbara Baer, Jrene Baruffaldi, Ursina Boesch, Kati Korosuo, Alena Kundela, Grazia Pellegrino, Magdalena Weniger


Wir sagen herzlichen Dank!
Oro y Furo - Bekenntnisse wird unterstützt von:

Wo immer er sich zur Deckung bringen wollte, es ging nie ganz auf.

Hugo Loetscher «Der Immune»

An der Oberfläche des Daseins, in jener Region, wo das Sein sich bekunden will oder sich verstecken will, sind die Bewegungen des Öffnens und des Schliessens so zahlreich, so oft Umkehrungen unterworfen, so oft mit Zaudern beladen, dass wir mit dieser Formel schliessen könnten: Der Mensch ist das halboffenstehende Sein.

Gaston Bachelard, «Poetik des Raumes»

Für ein ausführliches Projekt-Dosser nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf.



Gold und Loch, Zeigen und Bergen - Gegensätze, die für das Mensch-Sein existentiell sind. Wann zeigen wir uns wem, wie? Wollen wir nicht alle in unserem Sein erkannt werden, so wie wir wirklich sind, wo wir uns bergen dürfen und nichts verstecken müssen? Wir wagen Bekenntnisse des Mensch-Seins.

Unsere Figuren scheinen aus einer anderen Welt, reflektieren gesellschaftliche Archetypen, die zwischen Sich-Zeigen und -Bergen um Authentizität im öffentlichen Raum ringen:
Das Kleid, der Spiegel, der Karton, das Schlupfloch, das Klebeband und der Pelz.

Ikonen gleich erzählen die Kunstfiguren von Würde und Wert in allem menschlichen Ringen, beleuchten Aspekte von Grenzen, Heimat, Konventionen, Unsichtbarem Verdrängtem und Projektionen verdichtet im Kontext des Themas Zeigen - Bergen. Und sie werfen spielerisch Fragen nach unserem eigenen Wert, nach unserer Identität auf.

 

Die Lebend-Figuren sind in den öffentlichen Raum gestellt. Sie sind sinnlich, ästhetisch, bizarr, wirken gleichsam schutzlos fragil und faszinierend in ihrer Welt, die sich dann wieder überraschend dem Betrachtenden zur Interaktion öffnet.

Stolz und Scham, Aktion und Reflexion, Kampfbereitschaft und Schutzsuche - der stetige Wechsel zwischen sich Zeigen und sich Bergen. Ein Wechsel, der uns im Zeitalter von Offensivkultur und Authentizismus zunehmend beschäftigt. Wir beschäftigen uns in "oro y furo - Bekenntnisse" mit Identität - mit der Frage nach Person und woran sie sich orientiert wenn sich doch in dieser immer mobiler werdenden Welt eine Entgrenzung der Identität vollzieht.

 

Die Figuren wecken Assoziationen, knüpfen bewusst auch an mediale Bilder und Erinnerungen an, werden jedoch vom Betrachtenden auch immer nur soweit gelesen, wie sich der Betrachtende auf die Figuren und die sich ereignenden (Bewegungs-)Bilder einlässt. Sie öffnen Gedanken-, Empfindungs- und Assoziationsräume.

Unsere Figuren

Der Karton Symbol für Obdachlose, Flüchtlinge, Heimatsuchende, für Umzug, Ein- und Verpacken. Die Figur repräsentiert die Frage des Zu-Hause-Seins. Wechselnde Positionen mit und im Karton einnehmend, verbirgt sie sich mal ganz, mal gewährt sie Einblicke in ein vermeintliches Haus, mal öffnet sie Schutz gebend „die Tür“ um dann, einer Metamorphose gleich, sich zum Transportierten selbst zu verändern nur um dann unvermittelt davon getragen zu werden an einen anderen Ort.

Das Schlupfloch Symbol für Rückzug, Sich-Verkriechen, Bergung und Ruhe suchen. Die textil angebundene Figur repräsentiert die Frage nach unseren Schlupfwinkeln in all dem Trubel – die Orte, die Hütte, das Nest, die Winkel, in die wir uns verkriechen möchten, wie ein Tier in sein Loch. In ihr Tuch gewickelt zwängt sie sich unter Sitzbänke, quetscht sich in Zwischenräume, verkriecht sich in Spalten. Bergungsmomente, in denen man sich sicher fühlt, und die doch nur fragmentarisch verhüllen. Ein Changieren zwischen Rückzug und Bekenntnis.

Das Klebeband Symbol für Abgrenzungen, zu Definierendes, Messbares. Die Figur repräsentiert die Frage nach unseren Grenzen und der Messbarkeit unseres Seins. Wie gross ist die Reichweite des eigenen Körpers, des eigenen Seins? Und doch, rückblickend, hinterlässt es eine Spur, setzt abgemessene Grenzen. Die Figur bewegt sich funktional entlang der zu messenden Möglichkeiten ihrer Reichweiten, bringt Klebeband an, um es im nächsten Moment wieder zu durchbrechen und definiert ihren Radius ständig neu. Wer hat die Definitionsmacht über privat und öffentlich? Wer ist wann drinnen und wer draussen? Und wo liegen meine
                                                                                                                                eigenen physikalischen Grenzen?

Der Pelz Symbol für Wärme, Schutz, Erhabenheit, Kostbarkeit, Jagd, archaisch, weich und flauschig. Die Figur repräsentiert unser Schutz- und Rudelbedürfnis und stellt die Frage nach der Kostbarkeit des Äusseren. Welche Rückschlüsse lassen sich ziehen von der äusseren Kleidung, der Schönheit des Pelzes, auf unser Leben, unsere Werte, den Reichtum? Was zeigen wir, geben wir damit vor, präsentieren und schützen wir? Pelz ist hoch in Mode: mal jagend, aufbäumend und heroisch regierend, mal winselnd in ein Schlupfloch kriechend und Schutz suchend am Rande schlafend, um dann wieder Kontakt und Nähe suchend zu
                                                                                                                                Gleichgesinnten, die Stärke und den Hierarchiestand
                                                                                                                                abtastend.

Das Kleid Symbol für Eleganz, Wohlstand, Schönheit, gesellschaftliche Konventionen und Verhaltenskorsetts. Die Figur repräsentiert die Frage nach dem selbstverständlichen Vertrauen. Sie bewegt sich mit geschlossenen Augen und kontinuierlichen, langsamen Bewegungen im Strom der Massen, davon ausgehend, dass die Massen ihr Platz machen, dass sich jemand um sie sorgen würde, wenn es gefährlich wird, um dann unvermittelt und doch ebenso kontinuierlich die Konventionen zu brechen.

Aus den Proben in Aarau zu "oro y furo - Bekenntnisse"
Aus den Proben in Aarau zu "oro y furo - Bekenntnisse"

Der Spiegel Symbol für Abbild (lat. speculum), Reflexion, Sich-Sehen, Wahrheit und Verzerrung der Realität. Die Figur repräsentiert die Frage nach dem Selbst und was wir auf oder in Andere projizieren - das Auge, das fokussiert und das Ohr, das hört. Aber was sehen wir wirklich? Woran orientieren wir uns? Können wir tatsächlich kontrollieren, was wir von uns zeigen? Die Figur des Spiegels scheint gleichsam zu reflektieren wie zu durchschauen und noch Unsichtbares wie mit einem Radar bis in ferne Weiten aufzunehmen.


Wir sagen DANKE! für alle Performance-Besuche und für die Unterstützung: "wemadeit"!

Video-Trailer der öffentlichen Probe vom 23. September 2016, Altstadt Winterthur